Die Entscheidung des Bürgermeisters der Hansestadt Wismar, Thomas Beyer, die beiden Grünpfeilschilder an der Kreuzung Lübsche Straße/An der Lübschen Burg/Werftstraße ab dem 26. Juni 2026 dauerhaft zu entfernen, hat in den sozialen Medien eine intensive Debatte ausgelöst. Die Reaktionen reichen von Verständnis bis zu deutlicher Kritik und spiegeln den klassischen Konflikt zwischen Verkehrsfluss, Tradition und Verkehrssicherheit wider.
Gründe der Behörden: Unfallhäufung und komplexe Verkehrslage
Die Stadt verweist auf eine eindeutige Datenlage. Die Unfallkommission war rechtlich verpflichtet zu handeln, da der Knotenpunkt offiziell als Unfallhäufungsstelle eingestuft wurde. Im Jahr 2025 ereigneten sich dort elf Verkehrsunfälle, darunter ein Unfall mit schwerem und zwei mit leichtem Personenschaden. Im Jahr 2026 kam es zudem zu einem tödlichen Unfall.
Nach Angaben der Behörden entstehen die meisten Konflikte beim Rechtsabbiegen aus den Nebenstraßen, insbesondere aus der Werftstraße. Der Grünpfeil erlaubt das Abbiegen bei Rot außerhalb des regulären Ampeltaktes. Dadurch erhöht sich die Komplexität der Verkehrssituation erheblich. Autofahrer richten ihren Blick beim Anfahren häufig nach links auf den fließenden Verkehr und übersehen dabei querende Fußgänger und Radfahrer auf der rechten Seite. Die Verkehrsbeobachtungen zeigen, dass es an dieser Stelle regelmäßig zu kritischen Situationen kam.
Ein weiterer Faktor ist das Fehlverhalten vieler Verkehrsteilnehmer. Obwohl die Straßenverkehrsordnung einen vollständigen Halt an der Haltelinie vorschreibt, rollen zahlreiche Fahrzeuge ohne Stopp in den Kreuzungsbereich ein. Die Stadt verweist zudem auf die besondere Unübersichtlichkeit des Knotens, bedingt durch Mehrspurigkeit, Straßenbahnführung und ein hohes Aufkommen an Schulkindern und Touristen.
Emotionale Reaktionen in den sozialen Medien
Die Diskussion unter dem offiziellen Beitrag der Stadt zeigt, wie stark das Thema emotional aufgeladen ist. Viele Nutzer verbinden den Grünpfeil mit ostdeutscher Verkehrstradition. Er gilt als eine der wenigen DDR‑Regelungen, die nach der Wiedervereinigung bundesweit übernommen wurden. Für manche Kommentatoren steht die Entfernung daher symbolisch für den Verlust einer regionalen Identität.
Andere befürchten eine Verschlechterung des Verkehrsflusses und längere Wartezeiten. Sie kritisieren, dass Fehlverhalten Einzelner zu Einschränkungen für alle führe. Gleichzeitig wird in vielen Kommentaren auf Konflikte mit Radfahrern und Fußgängern verwiesen, die sich ebenfalls nicht immer regelkonform verhielten.