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“Missverständnisse” bei Katar-WM: Fans bekommen Ärger wegen Regenbogen-Utensilien

Auf dem Feld dürfen während der Fußball-Weltmeisterschaft keine “One Love”-Kapitänsbinden getragen werden, auf den Rängen aber, so heißt es, würden Zeichen der Solidarität mit der LGBTQI-Community geduldet. Fans berichten nun von gegenteiligen Erfahrungen in Katar.

Ein deutscher Fußball-Fan hat wegen einer Binde und eines Schweißbandes in Regenbogenfarben während des WM-Spiels zwischen den Niederlanden und Senegal offenbar Ärger mit der Polizei bekommen. “Mitte der zweiten Halbzeit wurde ich von vier Polizisten von meinem Platz eskortiert, stand in den Katakomben umzingelt von zehn bis 15 Polizisten, die mich aufgefordert haben, die Binde abzunehmen”, sagte Sportstudent Bengt Kunkel. Ihm sei gesagt worden: “Entweder nehmen wir deine Binde und dein Schweißband oder wir nehmen dich mit. Dann habe ich es natürlich auch abgegeben.”

Kunkel betonte, dass er ein Zeichen setzten wollte. “Gianni Infantino hatte erzählt, dass Regenbogenbinden und Regenbogenflaggen im Stadion erlaubt seien. Dann sollte er zu seinem Wort stehen. Aber das war nicht der Fall.” Seine Sachen seien im Müll entsorgt worden. Die FIFA hatte angekündigt, dass Regenbogenflaggen rund um die Stadien erlaubt seien. FIFA-Präsident Infantino hatte vor dem WM-Start in einem viel beachteten und heftig kritisierten Monolog erklärt: “Ich kann bestätigen, dass hier alle willkommen sind”, sagte er. “Es ist eine klare Anforderung der FIFA, dass alle, die herkommen, willkommen sein müssen. Egal, welche Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben.” Die katarische Regierung halte sich daran, so der FIFA-Chef.

FIFA-Sprecher Bryan Swanson sekundierte zum Abschluss des Termins, er habe sehr viel Kritik an Infantino gehört, “insbesondere aus der LGBTQI-Community”. “Ich sitze hier als schwuler Mann, auf einer globalen Bühne, hier in Katar, und wir haben Garantien erhalten, dass jeder willkommen sei”, sagte der 42 Jahre alte Brite auf dem Podium.

Auch walisische Fans hatten zuvor Ärger beim Einlass ins Stadion bekommen, weil sie Hüte in Regenbogenfarben getragen haben. Diese wurden demnach weiblichen Anhängern vor dem 1:1 ihres Teams gegen die USA im Ahmad bin Ali Stadion von Al-Rajjan abgenommen. Die traditionellen Kopfbedeckungen namens Bucket-Hats hatten Fans mit farbigen Streifen als Zeichen der Solidarität mit der LGBTQI+-Community herstellen lassen. Laut Gesetz ist Homosexualität in Katar verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

Der Walisische Fußballverband (FAW) kritisierte die Vorfälle scharf. Man sei extrem enttäuscht über entsprechende Berichte, teilte die FAW mit. Demnach wurden auch Verbandsmitglieder aufgefordert, ihre Hüte vor dem Spiel abzunehmen und wegzuwerfen, bevor ihnen Zutritt gewährt wurde. Die Hüte seien in Kooperation mit der FAW hergestellt worden. Man habe Informationen zu dem Vorfall gesammelt und werde sich direkt bei der FIFA beschweren, teilte der Verband mit. Unter den betroffenen Zuschauerinnen war auch die ehemalige walisische Fußball-Nationalspielerin Laura McAllister, die beim Sender itv davon berichtete.

Von katarischer Seite heißt es, das Tragen von Kleidung in Regenbogenfarben sei für sie kein Problem. Gestern habe es aufseiten der Sicherheitskräfte ein Missverständnis gegeben. Die so gekleideten Zuschauer seien aber noch ins Stadion gekommen. Die Teams aus islamischen Ländern hätten den Plan gehabt, Symbole gegen Islamophobie zu tragen. Auch das sei vom Weltverband FIFA untersagt worden.

Der brasilianische Journalist Victor Pereira dokumentierte derweil einen Vorfall ähnlicher Art mit katarischen Polizisten: “Wir wurden wegen der Flagge von Pernambuco (brasilianischer Bundesstaat – Anm. der Red.) angesprochen, die einen Regenbogen zeigt, und sie dachten, es sei die LGBT-Flagge. Sie nahmen die Flagge von Pernambuco, warfen sie auf den Boden und trampelten auf ihr herum. Sie nahmen mir mein Handy weg und gaben es mir erst zurück, als ich das Video, das ich hatte, gelöscht hatte.”

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