Auch nach der Freisetzung des Buckelwals Timmy in der Nordsee reißt die Kritik an der privaten Rettungsinitiative nicht ab. Die Tierärztin Kirsten Tönnies, die den Transport begleitet hatte, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Besatzung des Schleppers „Fortuna B“ und bemängelt den Umgang mit dem Tier.
Tierärztin spricht von „unangenehmer Situation“ an Bord
Im Gespräch schilderte Tönnies, sie habe sich zwar frei auf dem Schiff bewegen können, sei jedoch abfällig behandelt worden. „Die letzten anderthalb, zwei Tage war es wirklich mulmig für mich auf dem Schiff“, sagte sie. Der Kapitän habe Gespräche verweigert und ihr sogar mit Arrest gedroht.
Ein Streitpunkt sei die Wortwahl der Crew gewesen. Nach der Freisetzung soll ein Besatzungsmitglied geäußert haben: „Jetzt sind wir das Drecksvieh los und wieder frei für andere Aufträge.“ Eine Stellungnahme der Reederei zu diesen Vorwürfen liegt bislang nicht vor.
Kritik am Ablauf der Freisetzung
Auch die Art der Freilassung sorgt für Diskussionen. Tönnies berichtet, ihr sei geschildert worden, dass der Wal mithilfe von Seilen rückwärts aus der Barge gezogen werden sollte. „Ich bin sehr kritisch mit dem Rückwärtsrausziehen. Vorwärts ist okay. Rückwärts ist gegen die Natur der Tiere“, sagte sie. Angaben zum genauen Ablauf liegen weiterhin nicht vor.
Der Wal wurde am Samstag rund 70 Kilometer nördlich von Skagen freigesetzt. Videoaufnahmen des Moments sind bislang nicht öffentlich.
Reederei spricht von „erfolgreicher Freisetzung“
Die Besatzung des Begleitschiffs „Robin Hood“ bewertet den Vorgang anders. In einem Schreiben heißt es, die Freisetzung sei „in Abstimmung mit allen Beteiligten“ erfolgt. Man habe sowohl das Tierwohl als auch die Sicherheit der Schiffe berücksichtigt.
60 Tage in Flachwasser – Experten zweifeln an Überlebenschancen
Timmy war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden und hatte rund zwei Drittel der Zeit in flachen Küstenbereichen verbracht. Die mehrfachen Strandungen gelten als Hinweis auf eine schwere Erkrankung. Fachleute wie Thilo Maack von Greenpeace hatten die Überlebenschancen bereits vor dem Transport als minimal eingeschätzt.
Auch nach der Freisetzung bleibt unklar, wie geschwächt der vier bis sechs Jahre alte Wal ist. Der Peilsender, der an ihm befestigt wurde, lieferte zunächst keine Daten. Nur mit Trackinginformationen ließe sich nachvollziehen, ob der Wal die Nordsee erreicht und sich stabilisiert.
Schiffe der Initiative zurück im Hafen
Der Schlepper „Fortuna B“ kehrte in der Nacht zu Sonntag nach Cuxhaven zurück. Das Begleitschiff „Robin Hood“ befand sich am späten Sonntagabend nach Angaben von Vesselfinder vor der dänischen Westküste.