Seit Tagen galt der gestrandete Buckelwal als nicht mehr zu retten. Doch am Ostersonntag hat sich die Lage überraschend verändert. Am Mittag zeigte das Tier plötzlich deutliche Regungen: Der Wal schlug mit der Schwanzflosse, wölbte den Rücken und wirkte, als wolle er tief Luft holen. Für viele Beobachter ein Moment, der wie ein letztes Aufbäumen wirkte – für Umweltminister Till Backhaus sogar wie ein mögliches „Wunder“.
Backhaus: „Es wäre die Auferstehung“
Vor Ort sprach der Minister ungewöhnlich emotional. Sollte das Wasser weiter steigen und der Wal neue Kraft schöpfen, wäre das „ein Riesenglück, die Auferstehung“, sagte Backhaus. Gleichzeitig brachte er eine Option ins Spiel, die zuvor ausgeschlossen worden war: eine lebende Bergung des Wals.
Spezial-Katamaran aus Dänemark in Prüfung
Erstmals bestätigt Backhaus, dass über den Einsatz eines dänischen Spezial-Katamarans verhandelt wird. Das Schiff sei in der Lage, große Meeressäuger im lebenden Zustand aufzunehmen und in tiefere Gewässer zu transportieren. Voraussetzung sei jedoch ein medizinisches Gutachten, das dem Wal überhaupt eine Überlebenschance bescheinigt. „Das ist in der Prüfung“, so der Minister.
Wie die Rettung ablaufen könnte
Für eine mögliche Bergung würden breite, bis zu ein Meter starke Gurte unter dem Wal hindurchgeführt, um ihn behutsam anzuheben. Alternativ könnte ein Netz zum Einsatz kommen, in das der Wal gelegt wird. Backhaus betont jedoch, dass der Gesundheitszustand des Tieres weiterhin „äußerst angespannt“ sei.
Salzarmut und geschädigte Haut
Eine Untersuchung ergab am Nachmittag, dass der Salzgehalt der Ostsee für den Buckelwal viel zu niedrig ist. Er liegt rund ein Drittel unter dem, was Tiere aus Nordsee oder Atlantik gewohnt sind. Die Haut des Tieres ist dadurch stark angegriffen und entzündet – ein zusätzlicher Belastungsfaktor für den ohnehin geschwächten Organismus.
Lebenszeichen, aber kaum Kraft
Der Wal atmet weiterhin, inzwischen alle zwei bis fünf Minuten. Immer wieder sind Blasfontänen zu sehen, doch Bewegungen bleiben selten. Backhaus beschreibt die Lage als „höchst angespannt“. Der Wal habe alle drei Flossen angelegt und zeige kaum Reaktionen.
Experten nehmen Wasserproben
Am frühen Nachmittag fuhren Fachleute erneut in die Bucht, um Wasserproben zu entnehmen. Sie wollen den aktuellen Salzgehalt bestimmen und prüfen, wie stark die Bedingungen den Zustand des Tieres weiter verschlechtern.
Sperrgebiet bleibt bestehen
Die Polizei hält rund um den Wal ein Sperrgebiet von 500 Metern aufrecht. Reporterinnen und Reporter verfolgen das Geschehen vor Ort, während die Öffentlichkeit gespannt auf die Entscheidung am Dienstag wartet. Dann soll er erneut begutachtet werden – und möglicherweise über sein Schicksal entschieden.