In der Johannes‑Kirche in Wismar‑Wendorf sorgt eine massive Schadstoffbelastung aus DDR‑Zeiten für weitreichende Einschränkungen. Aus dem rund 60 Jahre alten Parkett treten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus – Stoffe, die als krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsschädigend gelten. Die Konzentrationen sind so hoch, dass mehrere Bereiche der Kirche sofort geschlossen werden mussten.
Sperrungen und strenge Auflagen
Betroffen sind die Pfarrwohnung, das Gemeindebüro sowie zwei Gemeinderäume, die komplett gesperrt wurden. Der Kirchenraum selbst darf nur noch unter strengen Lüftungsauflagen genutzt werden. Gottesdienste sind damit weiterhin möglich, allerdings nur mit intensiver Frischluftzufuhr und verkürzten Aufenthaltszeiten.
Sanierung brachte Problem erst ans Licht
Ironischerweise wurde die Schadstoffbelastung erst durch eine energetische Sanierung sichtbar, die bis 2020 rund 750.000 Euro kostete. Moderne Abdichtungen und neue Fenster veränderten die Thermik im Gebäude – die zuvor vorhandene „natürliche Entlüftung“ durch feuchte Böden und undichte Fenster fiel weg. Dadurch blieben die PAK‑Gase im Innenraum. Die Quelle liegt in einer alten Teerschicht unter dem Parkett, die nun freigelegt und vollständig entfernt werden muss.
Parallelen zur Kita‑Schließung 2016
Das Problem ist im Stadtteil nicht neu. Bereits 2016 wurde eine nahegelegene Kindertagesstätte in Wendorf wegen identischer Schadstoffe geschlossen und später abgerissen. Für die Kirche kommt ein Abriss jedoch nicht infrage, weshalb eine aufwendige Sanierung unumgänglich ist.
300 Quadratmeter betroffen – Gemeinde weicht aus
Insgesamt müssen mehr als 300 Quadratmeter Fußboden abgetragen und fachgerecht entsorgt werden. Die Finanzierung ist noch ungeklärt, ebenso der Zeitplan. Bis zur Sanierung nutzt die Gemeinde Ausweichquartiere: Räume im städtischen Pflegeheim, im Quartierstreff sowie Angebote der Volkssolidarität dienen derzeit als Ersatz für Gemeindeveranstaltungen.