Am Tag vor der Landtagswahl in Mecklenburg‑Vorpommern bündeln die Parteien am Samstag ihre Kräfte für die finale Mobilisierung. Im Mittelpunkt steht der Wahlkampfabschluss der AfD in Schwerin. Vor mindestens 1.000 Anhängern gibt sich die Partei auf dem Marktplatz demonstrativ siegessicher und beschwört eine politische Zäsur für das gesamte Bundesgebiet.
Als Gastredner tritt Ulrich Siegmund auf, der jüngste Wahlsieger aus Sachsen‑Anhalt. Er zieht Parallelen zu seinem Erfolg vor zwei Wochen und betont, dass ein ähnliches Szenario auch im Nordosten möglich sei. Man rede in Mecklenburg‑Vorpommern über ein Niveau von knapp 40 Prozent – Ergebnisse, von denen frühere Volksparteien nur träumen könnten.
Lautstarker Gegenprotest in Hörweite
In direkter Hörweite formiert sich ein deutlicher Gegenprotest. Rund 350 Gegendemonstranten versammeln sich nach Angaben der Polizei auf dem Markt. Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften trennt beide Lager konsequent. Die Lage bleibt zunächst friedlich, nennenswerte Zwischenfälle werden nicht gemeldet.
Holm ruft zur „blauen Wende“ auf
Der AfD‑Spitzenkandidat Leif‑Erik Holm ruft die Anwesenden dazu auf, am Wahlsonntag beide Stimmen seiner Partei zu geben, um eine „blaue Wende“ herbeizuführen. 28 Jahre sozialdemokratischer Regierungsverantwortung seien genug, erklärt er. Den Urnengang deutet er zugleich als bundespolitischen Denkzettel für die schwarz‑rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil. Auch Enrico Schult bekräftigt bei einer Kundgebung in Demmin den Anspruch, Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen.
Siegmund wertet zudem die Möglichkeit, dass die CDU den Verbleib im Landtag verfehlen könnte, als historisches Signal.
Unerwartete Signale aus Moskau
Für internationales Aufsehen sorgen am Samstag Äußerungen aus Moskau. Kirill Dmitrijew, Beauftragter des russischen Präsidenten Wladimir Putin für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, signalisiert auf der Plattform X Bereitschaft zur wirtschaftlichen Kooperation im Falle eines AfD‑Wahlsieges. Er stellt unter anderem eine Rückkehr zu Lieferungen von bezahlbarem Erdgas über verbliebene Kapazitäten der Ostseepipeline Nord Stream in Aussicht. Die Aussagen stehen im Widerspruch zu den regelmäßigen Beteuerungen Moskaus, sich nicht in westliche Wahlkämpfe einzumischen.
Abschlussaktionen der übrigen Parteien
Auch die politischen Mitbewerber nutzen den Samstag für letzte Mobilisierungsaktionen. Die Grünen treten mit Franziska Brandner und Claudia Müller in Stralsund auf. CDU‑Spitzenkandidat Daniel Peters setzt bis zuletzt auf Haustürwahlkampf in Rostock. SPD, Linke und BSW haben ihre großen Abschlussveranstaltungen bereits an den Vortagen absolviert.
Hohe Wahlbeteiligung erwartet
Am Sonntag sind rund 1,3 Millionen Bürger in Mecklenburg‑Vorpommern stimmberechtigt. Erstmals dürfen auch Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren wählen. Nach dem jüngsten ZDF‑Politbarometer liegt die SPD mit 37 Prozent nur knapp vor der AfD mit 36 Prozent. Viel deutet auf ein Kopf‑an‑Kopf‑Rennen hin, weshalb Beobachter mit einer hohen Wahlbeteiligung rechnen.