Viertausendvierundzwanzig Stunden vor der Öffnung der Wahllokale zum 9. Landtag von Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag steht die politische Strategie der SPD im Fokus. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat den Wahlkampf in den vergangenen Wochen konsequent auf ein direktes Duell mit der AfD zugespitzt. Während die Sozialdemokraten damit in den Umfragen im Aufwind sind, wächst der Unmut bei den demokratischen Mitbewerbern.
Taktische Ausrichtung auf das finale Duell
Die SPD überließ im Endspurt nichts dem Zufall und richtete ihre Kampagne strategisch vollkommen auf die Person der Regierungschefin aus. Großplakate und Wahlkampfauftritte positionierten Schwesig systematisch als das zentrale Bollwerk gegen den AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm. Diese Taktik zielt primär darauf ab, unentschlossene Bürger sowie taktische Wähler aus anderen Lagern zu mobilisieren.
Der Plan schien zuletzt aufzugehen: In den jüngsten Sonntagsfragen verzeichnete die SPD spürbare Zuwächse und schob sich hauchdünn vor die AfD. Das erklärte Ziel der Zuspitzung ist es, die Spitzenposition im Schweriner Schloss zu verteidigen und eine Regierungsbildung unter rechter Beteiligung unmöglich zu machen.
Kleinere Parteien sehen Mobilisierung gefährdet
Aus den Reihen der politischen Konkurrenz erntet dieser Lager-Wahlkampf jedoch heftige Kritik. Vertreter der CDU und der Grünen bemängeln, dass eine künstliche Verengung des politischen Diskurses auf nur zwei Akteure die inhaltliche Vielfalt im Land massiv beschädige. Durch die mediale Fokussierung auf das Duell „Frau gegen Blau“ würden das bürgerliche und das ökologische Lager systematisch geschwächt. Insbesondere für die Parteien, die in den Prognosen gefährlich nahe an der parlamentarischen Fünf-Prozent-Hürde rangieren, erschwert die sozialdemokratische Dominanzstrategie die ohnehin schwierige Mobilisierung der eigenen Wählerbasis auf den letzten Metern.
Schwesig verweist auf Eigenverantwortung
Die Ministerpräsidentin wies die Vorwürfe der Konkurrenz im Endspurt entschieden zurück. In demokratischen Zeiten sei es die Pflicht einer Regierungschefin, klare Kanten zu zeigen und die Unterschiede zu verfassungsfeindlichen Strömungen deutlich herauszuarbeiten. Bezüglich der schwächelnden Umfragewerte von Union und Grünen verwies Schwesig kühl auf die Eigenverantwortung jeder einzelnen Partei. Für die Wählerinnen und Wähler in Mecklenburg-Vorpommern bleibt der morgige Sonntag damit bis zur letzten Minute eine hochgradig spannende Richtungsentscheidung.