Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erreicht der politische Richtungskampf seinen Höhepunkt. Ein aktuelles Umfragehoch der SPD sorgt kurz vor dem Urnengang für eine spürbare Dynamik. Während Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Rostock-Warnemünde zur Mobilisierung aufrief, bläst die AfD in Neubrandenburg zum Endspurt. Gleichzeitig zittern die kleineren Parteien um den Einzug ins Parlament.
Hauchdünner Vorsprung im Politbarometer
Das jüngste ZDF-„Politbarometer“ der Forschungsgruppe Wahlen wirbelt das politische Gefüge im Land kurz vor der Entscheidung kräftig durcheinander. Erstmals seit Langem verbucht die SPD mit 37 Prozent die Spitzenposition für sich – liegt jedoch lediglich einen hauchdünnen Prozentpunkt vor der AfD, die mit 36 Prozent wie ein Schatten folgt.
Während Die Linke stabil bei 9 Prozent taxiert wird, offenbaren die Zahlen für die übrigen Parteien ein historisches Drama: Die CDU stürzt auf einen historischen Tiefwert von 6 Prozent ab, und die Grünen bangen bei exakt 5 Prozent um den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 4 Prozent und die FDP mit unter drei Prozent würden den Einzug nach diesem Stand verpassen. Für die amtierende rot-rote Koalition bedeutet dies eine Zitterpartie um die absolute Mehrheit.
Schwesig holt prominente Schützenhilfe an die Küste
Regierungschefin Manuela Schwesig nutzte einen prominent besetzten Wahlkampfauftritt im Seebad Rostock-Warnemünde, um die eigenen Anhänger wachzurütteln. Trotz der positiven Trendwende warnte sie eindringlich vor verfrühtem Jubel: Die politische Lage im Land bleibe ernst, und die Wahl sei keineswegs entschieden. Um das deklarierte Ziel – eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern – zu erreichen, holte sich Schwesig lautstarke Unterstützung auf die Bühne. Gleich vier sozialdemokratische Ministerpräsidenten und Amtskollegen aus anderen Bundesländern reisten an die Ostseeküste, um in den verbleibenden Stunden um jede unentschlossene Stimme zu kämpfen.
Großkundgebung der AfD und lautstarker Gegenprotest
Die oppositionelle AfD setzt im Endspurt hingegen voll auf die Mobilisierung von bisherigen Nichtwählern. Beim großen Wahlkampffinale im Neubrandenburger Haus der Kultur und Bildung sprach Spitzenkandidat Leif-Erik Holm vor rund 850 Gästen im Saal. Wegen des großen Andrangs verfolgten weitere 300 Zuschauer die Reden via Public Viewing.
Holm wurde dabei von der Bundesspitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla unterstützt. Das Event blieb jedoch nicht unwidersprochen: Parallel zu der AfD-Veranstaltung versammelten sich auf dem Neubrandenburger Marktplatz laut Angaben der Polizei bis zu 1.000 Menschen zu einer lautstarken Gegendemonstration, um ein Zeichen für Vielfalt und Demokratie zu setzen.
Scharfe Kritik an der Polarisierung „Frau gegen Blau“
Aus den Reihen der politischen Mitbewerber hagelte es derweil scharfe Kritik am Agieren der Ministerpräsidentin. Sowohl die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, als auch CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters warfen Schwesig vor, den Wahlkampf mit der Zuspitzung „Die Frau gegen Blau“ fahrlässig zu polarisieren. Diese Taktik schade den übrigen demokratischen Kräften und dränge die Union und die Grünen an den parlamentarischen Abgrund.
Schwesig wies die Vorwürfe direkt zurück und betonte, jede Partei sei für ihre Umfragewerte selbst verantwortlich. Unterstützung erhalten die Kritiker von wissenschaftlicher Seite: Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno mahnte zur Vorsicht. Angesichts von rund 20 Prozent noch immer unentschlossenen Wählern sei der tatsächliche Wahlausgang am Sonntag völlig offen.