Der Waldzustandsbericht 2026 zeigt deutlich: Auch die waldreichen Regionen Nordwestmecklenburgs stehen unter massivem Druck. Die Kombination aus mehreren trockenen Sommern, sinkenden Grundwasserspiegeln und dem fortschreitenden Eschentriebsterben setzt den Beständen stärker zu als in vielen anderen Teilen des Landes. Fachleute sprechen inzwischen von einem „Waldumbau im Eiltempo“.
Besonders betroffen sind die wasserreichen Gebiete rund um Grevesmühlen, Rehna sowie die Küstenwälder bei Wismar und Boltenhagen. Dort zeigen sich die Folgen des Klimawandels besonders deutlich.
Neue Baumarten im Test: Esskastanie und Libanon‑Zeder als Hoffnungsträger
In forstlichen Versuchsgärten bei Grevesmühlen und Rehna werden derzeit verstärkt Esskastanien und Libanon‑Zedern gepflanzt. Beide Arten wurzeln tief, kommen mit sandigen Lehmböden gut zurecht und gelten als vergleichsweise robust gegenüber Trockenstress. Die Forstexperten hoffen, dass sie langfristig stabile Mischwälder ermöglichen, wenn der Grundwasserspiegel weiter sinkt.
Die Buche verliert an Kraft – Orientbuche im Versuch
Die Rotbuche, eigentlich der Charakterbaum der Region, zeigt in den Küstenwäldern massive Kronenschäden. Hitze, Trockenheit und Pilzbefall setzen ihr zu. Als mögliche Alternative wird derzeit die Orientbuche getestet. Sie ist genetisch eng verwandt, aber deutlich hitzeresistenter und könnte in Zukunft eine wichtige Rolle im Waldumbau spielen.
Borkenkäfer breitet sich weiter aus
Die milden Winter 2024/25 und 2025/26 haben dem Borkenkäfer ideale Bedingungen verschafft. Er breitet sich inzwischen auch in Mischwäldern aus, die früher als vergleichsweise sicher galten. Das Landwirtschaftsministerium setzt deshalb auf eine stärkere Durchmischung der Altersklassen, um großflächige Schäden zu verhindern.
„Wald‑Abo“: Bürger können Aufforstung unterstützen
Ein neues Modell sorgt für Aufmerksamkeit: Über sogenannte Wald‑Aktien und Patenschaften können Bürgerinnen und Bürger gezielt Aufforstungsprojekte im Landkreis unterstützen. Bis Ende 2026 sollen so 500 Hektar neuer Mischwald entstehen.
KI‑Drohnen überwachen Waldzustand
Seit Anfang 2026 setzt das Forstamt Nordwestmecklenburg verstärkt auf KI‑gestützte Drohnentechnik. Die Systeme erkennen Trockenstress an einzelnen Bäumen, noch bevor die Krone sichtbar verfärbt. Förster können dadurch schneller reagieren und gefährdete Bereiche gezielt pflegen oder entlasten.