Am 12. Juni sind es noch genau 100 Tage bis zur Landtagswahl in Mecklenburg‑Vorpommern – und für den Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno ist der Ausgang so offen wie selten zuvor. Gegenüber der Deutschen Presse‑Agentur sagte er, die eigentliche Unsicherheit liege weniger im Wahlergebnis selbst als in den politischen Konstellationen, die sich nach dem 20. September ergeben könnten. Muno rechnet mit einer hohen Wahlbeteiligung.
Blick nach Sachsen‑Anhalt könnte Wahlverhalten beeinflussen
Nach Munos Einschätzung könnte die AfD in Mecklenburg‑Vorpommern am Wahltag bei etwa 35 Prozent landen. Entscheidend sei jedoch, wie die Landtagswahl in Sachsen‑Anhalt am 6. September ausgehe. Ein starkes AfD‑Ergebnis dort könne sowohl Gegner als auch Sympathisanten der Partei in Mecklenburg‑Vorpommern zusätzlich mobilisieren. In der jüngsten Infratest‑dimap‑Umfrage lag die AfD in Sachsen‑Anhalt bei 41 Prozent. Für Mecklenburg‑Vorpommern erwartet Muno dennoch, dass die AfD deutlich unter 40 Prozent bleibt und damit weit entfernt von einer absoluten Mehrheit.
SPD hofft auf Zuwächse – Wahlkampf noch nicht gestartet
Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig könnte laut Muno leicht zulegen, ob sie jedoch die Marke von 30 Prozent überschreitet, sei offen. Der Wahlkampf habe noch nicht richtig begonnen; am Samstag will die SPD ihr Wahlprogramm beschließen. Für viele Wählerinnen und Wähler seien Programme allerdings zweitrangig. Muno erwartet eine starke Personalisierung des Wahlkampfs – eine Zuspitzung auf „Schwesig versus AfD“.
Kleinere Parteien unter Druck
Für die Linke prognostiziert Muno rund zehn Prozent, möglicherweise etwas mehr. Die CDU hingegen könnte nach seiner Einschätzung sogar einstellig werden. Die FDP sieht er chancenlos. Offen sei, ob Grüne und BSW die Fünf‑Prozent‑Hürde überspringen. Sollten beide scheitern, würden für eine absolute Mehrheit der stärksten Partei bereits rund 42 bis 43 Prozent reichen – ein Szenario, das Muno für die AfD jedoch nicht erwartet.
BSW als „große Unbekannte“
Besonders spannend sei die Rolle des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Komme die Partei in den Landtag, seien völlig neue Konstellationen denkbar. Muno hält es für möglich, dass das BSW eine AfD‑Regierung tolerieren oder sogar mit ihr koalieren könnte – auch wenn dies von Landesvertretern bestritten werde. Inhaltlich lägen AfD und BSW nur in Nuancen auseinander, so der Politologe. Wagenknecht selbst sei als „graue Eminenz“ prägend für die Partei und lehne eine Brandmauer zur AfD ab.
Koalitionsfragen völlig offen
Auch im Mitte‑Links‑Spektrum sieht Muno zahlreiche Unsicherheiten. Ob CDU oder Linke eine Minderheitsregierung tolerieren würden, sei derzeit nicht absehbar. Die Grünen wiederum rechnen sich Chancen aus, im Falle eines Wiedereinzugs eine wichtige Rolle für stabile Mehrheiten zu spielen. Spitzenkandidatin Claudia Müller hatte beim Parteitag in Stralsund an Schwesig adressiert: „Du wirst uns noch brauchen für eine stabile demokratische Mehrheit.“