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Letzte Ruhe im Kirchsee: Buckelwal „Timmy“ steht am Ende seines Weges

Es war still an diesem Abend in der Wismarbucht. Über dem Kirchsee, der schmalen, geschützten Wasserfläche zwischen Insel Poel und Festland, lag eine fast idyllische Ruhe. Nur Vogelstimmen und das ferne Muhen der Rinder durchbrachen die Stille. Doch die Atmosphäre wirkte bedrückend – wie ein Ort, an dem sich etwas verabschiedet. Genau diese Ruhe braucht Buckelwal „Timmy“ jetzt, an der vermutlich letzten Station seines Lebens.

Seit einem Monat irrte der Wal durch die Ostsee, immer wieder geschwächt, immer wieder orientierungslos. Am Mittwoch erklärten die Experten, dass die Rettungsversuche eingestellt werden. Die Hoffnung, dass sich der Meeressäuger noch einmal aus eigener Kraft befreien könnte, ist verflogen. Die Polizei hat eine 500‑Meter‑Sperrzone eingerichtet, um den Wal vor Störungen zu schützen. Dennoch standen am Abend noch immer Menschen am Strand – Anwohner, Urlauber, stille Beobachter, die den Wal ein letztes Mal sehen wollten. Am Horizont zeichnete sich seine Silhouette ab, gelegentlich stieg eine Atemfontäne in den Himmel.

Experten sehen keine Chance mehr

Schon am Vormittag hatten Fachleute den Zustand des Tieres erneut geprüft. Die Atemfrequenz sei extrem unregelmäßig gewesen, berichtete Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums. Teilweise habe Timmy mehr als vier Minuten zwischen zwei Atemzügen gebraucht. Seine Brustflossen lagen eng am Körper, ein Zeichen großer Schwäche. „Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null“, sagte Baschek.

Mit der einsetzenden Dunkelheit kamen Kälte und Nebel. Die Lufttemperatur sank auf drei Grad, der Wind ließ es noch kälter wirken. Auch das Wasser ist kaum wärmer. Wie lange der Todeskampf des Tieres noch dauern wird, kann niemand sagen. Klar ist nur, dass der Wal stark leidet. „Es geht ihm überhaupt nicht gut“, erklärte Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace.

Sinkender Wasserstand verschlechtert die Lage

Der Wasserstand in der Bucht fällt weiter. Nach Einschätzung der Experten wird er um weitere zehn bis fünfzehn Zentimeter sinken und sich in den kommenden Tagen kaum erholen. Dadurch liegt der Wal inzwischen deutlich freier, was seine Situation paradoxerweise noch schwieriger macht. Baschek sagte, Timmy habe am Mittwochmorgen gegen sechs Uhr seine letzte realistische Chance gehabt, sich zu retten. „Die konnte er nicht nutzen.“

Ein Abschied in Stille

Minister Till Backhaus hatte am Nachmittag betont, dass man dem Wal nun die Ruhe geben wolle, die er brauche. Drohnenüberflüge sind verboten, Boote halten Abstand, und auch die Öffentlichkeit wird auf Distanz gehalten. Die Experten begleiten das Tier weiter – wissend, dass sie ihm nicht mehr helfen können, aber dafür sorgen wollen, dass seine letzten Stunden nicht von Stress geprägt sind.

Über dem Kirchsee liegt weiterhin diese besondere Stille. Eine Stille, die erzählt, dass ein großes Tier am Ende seines Weges angekommen ist.

Strafanzeigen gegen Verantwortliche eingegangen

Parallel zu den dramatischen Entwicklungen am Kirchsee haben mehrere Bürger Strafanzeigen gegen beteiligte Institutionen und Verantwortliche gestellt. Sie werfen den zuständigen Stellen vor, nicht ausreichend gehandelt zu haben, um dem geschwächten Wal zu helfen. Die Anzeigen beziehen sich auf mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung.

Die Behörden hatten in den vergangenen Tagen betont, dass ein aktiver Eingriff bei einem tonnenschweren, stark geschwächten Wal im flachen Wasser nicht möglich gewesen sei, ohne das Tier oder die Helfer zu gefährden. Internationale Fachleute hatten diese Einschätzung bestätigt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob ein Anfangsverdacht besteht und ob Ermittlungen aufgenommen werden. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.

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