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Der wandelbare Minister: Warum Till Backhaus im Wal‑Fall die Richtung wechselte

Mecklenburg‑Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hat mit seiner Entscheidung, einen privat organisierten Rettungsversuch für den vor Poel gestrandeten Buckelwal zu genehmigen, für Überraschung gesorgt. Noch Tage zuvor hatte er öffentlich erklärt, dass das Tier in Ruhe sterben solle – gestützt auf die Einschätzung wissenschaftlicher Berater. Der Kurswechsel wirft Fragen auf, zeigt aber zugleich ein Muster, das Backhaus’ politische Karriere seit Jahrzehnten prägt.

Vom „sterben lassen“ zur Rettungsgenehmigung

Bis Mittwoch galt die Linie des Ministeriums als eindeutig: Fachleute hatten mehrfach betont, dass der Wal schwer krank sei, vermutlich im Sterben liege und ein Rettungsversuch mehr Leid verursachen könnte.
Dann folgte die Kehrtwende. Backhaus genehmigte das Konzept einer privaten Initiative um Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter‑Mommert. Entscheidend sei, so Backhaus, dass erstmals ein „geeignetes, minimalinvasives Konzept“ vorliege.

Am ersten Tag der Aktion war der Minister persönlich vor Ort auf Poel. Er betonte, der Wal zeige weiterhin Aktivität – Flossenbewegungen, regelmäßiges Atmen, Lautäußerungen. Das rechtfertige aus seiner Sicht, die Chance zu nutzen.

Ein Minister, der politische Stürme übersteht

Backhaus ist seit 1998 ununterbrochen Mitglied der Landesregierung – länger als jeder andere amtierende Minister in Deutschland. Seine politische Beständigkeit wird häufig mit Pragmatismus erklärt: Er sucht Kompromisse, verweist auf wissenschaftliche Grundlagen, betont aber zugleich die Notwendigkeit politischer Entscheidungen.

Ein Beispiel dafür war der Streit um das LNG‑Terminal auf Rügen. Zunächst äußerte sein Ministerium Zweifel an der Notwendigkeit des Projekts, verwies aber gleichzeitig auf die Pflicht, Genehmigungsverfahren rechtsstaatlich durchzuführen. Als das Terminal 2026 in Betrieb ging, stellte Backhaus dessen Bedeutung für die Energieversorgung heraus.

„Auch die Wissenschaft kann sich irren“

Im Wal‑Fall begründete Backhaus seinen Kurswechsel damit, dass wissenschaftliche Einschätzungen nicht unfehlbar seien. Die Verantwortung für die Durchführung liege nun bei den privaten Organisatoren, betonte er.
Er selbst wolle den Wal „bis zum Ende begleiten – in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum“.

Ein Balanceakt zwischen Fachwissen, öffentlicher Erwartung und politischer Verantwortung

Der Fall zeigt, wie stark wissenschaftliche Expertise, öffentliche Emotionen und politische Entscheidungslogik miteinander verwoben sind. Während Fachleute weiterhin vor hohen Risiken warnen, sieht Backhaus im neuen Konzept eine vertretbare Möglichkeit, dem Tier eine Chance zu geben.

Ob die Rettung gelingt, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Fall hat den dienstältesten Minister des Landes erneut in den Mittelpunkt einer hoch emotionalen Debatte gerückt.

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