Die Lage der Kindertagesstätten in Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg bleibt angespannt. Besonders kleinere Träger schlagen Alarm, weil strukturelle Probleme im Kindertagesförderungsgesetz Mecklenburg‑Vorpommern und demografische Entwicklungen ihre wirtschaftliche Stabilität gefährden.
Ein Kernproblem ist die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher. Während die ersten beiden Ausbildungsjahre teilweise bezuschusst werden, müssen Träger das Gehalt des dritten Jahres häufig vollständig selbst tragen. Für kleine Einrichtungen ohne größere finanzielle Rücklagen ist diese Belastung kaum zu stemmen.
Sinkende Kinderzahlen und Überangebot an Plätzen
Hinzu kommt ein deutlicher Rückgang der Belegungszahlen. Sinkende Geburtenraten und die wirtschaftlichen Nachwirkungen regionaler Krisen – etwa der Werftschließung in Wismar – führen dazu, dass weniger Kinder in die Betreuung kommen. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren neue, moderne Kitas entstanden. Ältere Bestandskitas haben es daher zunehmend schwer, ihre Plätze vollständig zu belegen. Da die Landesförderung pro Kind gezahlt wird, entstehen spürbare Einnahmeverluste.
Zukunftsplan Kita: Entlastung erst ab 2027
Um Schließungen und Entlassungen zu verhindern, hat die Landesregierung den Zukunftsplan Kita beschlossen. Ab Januar 2027 soll der Fachkraft‑Kind‑Schlüssel schrittweise abgesenkt werden, in der Krippe von 1:6 auf 1:5. Dadurch sollen rechnerisch mehr Fachkräfte im System gehalten werden. Für das laufende Jahr 2026 löst diese Maßnahme jedoch die akuten Liquiditätsprobleme kleiner Träger nicht.
Regionale Abstimmungsrunden sollen Abwanderung verhindern
Um Kündigungen erfahrener Fachkräfte zu vermeiden, wurden landesweit und im Landkreis Nordwestmecklenburg regionale Runde Tische eingerichtet. Ziel ist es, Kinderströme besser zu lenken und freigestelltes Personal vorübergehend in andere Einrichtungen zu vermitteln. So soll verhindert werden, dass qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher dem Beruf den Rücken kehren.