Die leitende Tierärztin der privaten Walrettungsinitiative, Janine Bahr‑van Gemmert, befindet sich nach einem medizinischen Notfall im Koma. Das bestätigten mehrere Beteiligte der Aktion. Die Situation belastet das ohnehin geschwächte Rettungsteam zusätzlich und wirft erneut ein Schlaglicht auf die dramatischen Bedingungen rund um die Rettung des Buckelwals vor Poel.
Plötzlicher Zusammenbruch – Notoperation in Rostock
Nach übereinstimmenden Berichten erlitt Bahr‑van Gemmert am Montagmittag Kreislaufprobleme und Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuteten. Sie wurde vor Ort notärztlich versorgt und anschließend per Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik Rostock geflogen. Dort wurde sie noch in der Nacht notoperiert und liegt weiterhin im Koma. Ihr Zustand gilt als lebensbedrohlich.
Mitinitiatorin Karin Walter‑Mommert lobte den schnellen Einsatz des Rettungsdienstes und betonte, dieser habe möglicherweise das Leben der Tierärztin gerettet. Die Nachricht hat das Team tief getroffen – Bahr‑van Gemmert war eine der zentralen Fachpersonen der Initiative.
Zweites Teammitglied fällt aus – interne Spannungen
Neben Bahr‑van Gemmert ist auch die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin Jenna Wallace nicht mehr Teil des Teams. Sie verließ die Insel nach internen Differenzen und Kritik an der Organisation der Rettungsaktion. Damit verliert die Initiative innerhalb kurzer Zeit zwei wichtige Expertinnen.
Als Ersatz stößt nun Tierärztin Kirsten Tönnies zur Gruppe, die bisher vor allem Großtiere behandelt hat. Sie soll das Team ab dem Abend unterstützen.
Rettungsversuch trotz früherer Einschätzungen
Bereits vor drei Wochen hatten das Umweltministerium Mecklenburg‑Vorpommern und Fachleute den Zustand des Wals als kritisch und die Aussichten auf eine erfolgreiche Rettung als äußerst gering eingeschätzt. Aus tierschutzrechtlichen Gründen wurden damals alle aktiven Rettungsversuche eingestellt.
Trotzdem entschied das Ministerium vergangene Woche, den neuen privaten Rettungsversuch zu dulden. Die Verantwortung liegt vollständig bei der Initiative, während Behörden die Maßnahmen lediglich überwachen.
Ein Wal in der Ostsee – ein ungewöhnlicher und tragischer Fall
Der etwa vier bis fünf Jahre alte Buckelwal wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar gesichtet und strandete seither mehrfach an verschiedenen Orten in Schleswig‑Holstein und Mecklenburg‑Vorpommern. Warum er in die für seine Art ungeeignete Ostsee gelangte, ist weiterhin unklar.
Die Lage bleibt sowohl für das Rettungsteam als auch für den Wal extrem angespannt – und der Ausfall der leitenden Tierärztin verschärft die Situation zusätzlich.