Die geplante Bergung des seit 20 Tagen in der Kirchsee festliegenden Buckelwals „Timmy“ ist am Sonntag erneut ins Stocken geraten. Der steigende Wasserstand und zunehmender Wind machten das Anbringen der Pontons unmöglich. Die private Initiative um Unternehmerin Karin Walter‑Mommert und MediaMarkt‑Mitgründer Walter Gunz musste den Einsatz abbrechen und verweist nun auf einen alternativen Ablauf.
Wind und Wasserstand stoppen Bergung
Nach Angaben von Walter Gunz sei der Wasserstand so stark gestiegen, dass die Pontons nicht wie vorgesehen an den Wal herangebracht werden konnten. „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt. Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr“, sagte er. Der Wal registriere, dass er frei sei – die Frage sei nun, ob er sich überhaupt noch leiten lasse. Das Konzept müsse neu gedacht werden. „Wir sind quasi wieder bei Stunde null.“
„Plan B“: DLRG soll Wal begleiten, falls er selbst losschwimmt
Constanze von der Meden von der Rettungsinitiative erklärte, dass die DLRG‑Boote in Bereitschaft seien. Sollte Timmy sich aus eigener Kraft freischwimmen, wolle man ihn begleiten und sicher in Richtung Nordsee führen. Insgesamt sind fünf DLRG‑Boote, ein Jet‑Ski und rund 20 Einsatzkräfte vor Ort.
Vorbereitungen laufen weiter – Rinne ausgehoben
Trotz der Verzögerungen wurden am Sonntag weitere Arbeiten durchgeführt. Ein Bagger hob eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung Wal aus, um ihm später den Weg zu erleichtern. Die Plane, die unter den Wal gezogen werden soll, liegt bereits im Wasser und ist für Timmy sichtbar.
Gunz beklagt Bürokratie – Backhaus widerspricht
Gunz kritisierte Verzögerungen durch bürokratische Vorgaben, die das Team „eineinhalb bis zwei Tage zurückgeworfen“ hätten. Umweltminister Till Backhaus wies dies zurück. Die Behörden reagierten schnell und flexibel, sagte er bei einer eigenen Pressekonferenz am Nachmittag.
Backhaus: Wal „den Umständen entsprechend einigermaßen gut“
Backhaus erklärte, der Wal werde von fünf Tierärzten überwacht – drei aus der Initiative, zwei aus der staatlichen Veterinärverwaltung. Timmy atme regelmäßig, nehme Reize wahr und zeige Aktionen. Sein Zustand sei „den Umständen entsprechend einigermaßen gut“. Gleichzeitig bestätigte der Minister die wissenschaftliche Einschätzung, dass der Wal insgesamt schwer geschwächt sei.
GPS‑Sender wird geprüft
Für den Fall einer erfolgreichen Befreiung prüft das Ministerium, ob Timmy ein GPS‑Sender aufgeklebt werden kann. So könne man seine Route verfolgen und ihn im Ernstfall erneut unterstützen.
Tierärztin: „Er atmet deutlich tiefer“
Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr‑van Gemmert, zeigte sich zuversichtlich. Der Wal atme tiefer ein, was ein gutes Zeichen sei. Sie wies Kritik zurück, ein Rettungsversuch könne dem Tier schaden. „Wir sind nicht hier, um einem Tier weiteres Leiden zuzufügen“, sagte sie. Man wolle ihn aus seinem „Gefängnis“ befreien. Fachleute, die den Wal nicht vor Ort gesehen hätten, könnten seine Lage nicht realistisch beurteilen.
Wissenschaftler bleiben skeptisch
Mehrere Expertinnen und Experten hatten zuletzt betont, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe riskant seien. Timmy sei orientierungslos, geschwächt und gesundheitlich so beeinträchtigt, dass er die Heimreise kaum schaffen werde.