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Wie Mecklenburg-Vorpommern für junge Menschen attraktiver werden soll

Wie kann das Leben für junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern attraktiver werden? Mehr als vier Jahre lang haben Fachleute, Politiker und Jugendliche ausführlich über diese Frage diskutiert. In dieser Woche hat die vom Schweriner Landtag eingesetzte Kommission „Jung sein in MV“ nach rund 50 Sitzungen ihren 400-seitigen Abschlussbericht beschlossen.

Darin enthalten sind auch etliche Handlungsempfehlungen. Die zentrale Botschaft: Kinder und Jugendliche sollen bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden, um ihnen bessere Zukunftsperspektiven im Land zu bieten. Zudem sollen strukturelle Defizite abgebaut werden.

„Die Verantwortung und die Verpflichtungen sind groß“, sagte der Kommissionsvorsitzende Christian Winter (SPD) am Mittwochabend bei der Abschlussveranstaltung im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin. Der Abschlussbericht sei kein Schlusspunkt, sondern ein Auftrag.

Anfang Juli soll der Bericht samt Empfehlungen in den Landtag kommen. Der Antrag wird von den Fraktionen von SPD, Linke, Grünen und CDU sowie der FDP-Gruppe gemeinsam getragen. Die AfD-Fraktion unterstützt den Antrag nicht.

Worum geht es inhaltlich?

Der Landtag hatte die 25-köpfige Kommission im Januar 2022 eingesetzt. Neben Landtagsabgeordneten aller Fraktionen und der FDP gehörten ihr auch Vertreter von Sportverbänden, Umweltgruppen oder vom Jugendamt an. Rund 300 Sachverständige und knapp 5.000 Jugendliche hätten sich in Anhörungen und Gesprächen eingebracht.

Die Handlungsempfehlungen in dem 60-seitigen Dokument betreffen vier Themenfelder: gesellschaftliche und politische Beteiligung, formale und non-formale Bildung, gesundes und sicheres Aufwachsen sowie kinder- und jugendgerechte Infrastruktur und Lebensräume. Die Ergebnisse sollen jetzt als eine Art Fahrplan für die Landesregierung der nächsten Legislatur dienen.

Weniger Hausaufgaben, gesundes Schulessen

Die Kommission schlägt unter anderem vor, Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Mathematik und Sprache schon bei der frühkindlichen Bildung im Mittelpunkt zu stellen. Schülerinnen und Schüler sollen individueller gefördert werden sowie einen kritischen Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) lernen. Hausaufgaben sollen in ihrem Umfang und ihrer Anzahl begrenzt werden.

Um Jugendliche realistisch auf Ausbildungs- und Studienwege vorzubereiten, soll die Berufsorientierung in der Schule verankert werden. Sie soll fächerübergreifend sein und regionale Unternehmen einbeziehen. Zudem soll ein landesweites Praktikumsportal aufgebaut werden.

Lehrerinnen und Lehrer sollen laut den Vorschlägen von nicht pädagogischen Tätigkeiten wie technischen Verwaltungsaufgaben entlastet werden, damit sie sich auf das Unterrichten konzentrieren können. Die Anzahl der Pflichtstunden für Lehrkräfte soll Schritt für Schritt sinken.

Sicheres und gesundes Aufwachsen

In dem Dokument tauchen auch Empfehlungen für die mentale und körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf. Es brauche etwa niedrigschwellige Bewegungs- und Sportangebote, gesundes Kita- und Schulessen sowie frühzeitige Hilfen bei psychischen Auffälligkeiten.

Demokratieförderung und politische Bildung sollen mit digitaler Kompetenz verbunden werden. „Politische Einflussnahme, Desinformationskampagnen, Hassrede und KI-generierte Falschinformationen prägen zunehmend die Lebenswelten junger Menschen“, heißt es in dem Antrag der Fraktionen. Dafür brauche es präventive Maßnahmen wie Medienbildung an Schulen und eine engere Zusammenarbeit von Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Jugendämtern, Polizei und Beratungsstellen.

„Dritte Orte“ und günstige Fahrkarten

Dem Antrag zufolge soll geprüft werden, wie die Kinder- und Jugendarbeit langfristig finanziert werden könne. Die Kommission empfiehlt zudem, einen regelmäßigen Bericht zur Lage junger Menschen im Land vorzulegen. Zudem schlägt sie die flächendeckende Schaffung „Dritter Orte“ vor – Plätze außerhalb der Wohnung und des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes, in denen sich Kinder und Jugendliche ausprobieren, engagieren und mitgestalten können.

Der öffentliche Nahverkehr müsse gerade in ländlichen Regionen ausgebaut werden, heißt es. Unpassende Fahrpläne in den Rand- und Ferienzeiten sowie weite Wege erschwerten die Anbindung. Eine Idee seien vergünstigte Fahrkarten, ähnlich wie bei Seniorentickets.

Und jetzt?

„Junge Menschen wollen beteiligt werden“, betonte die stellvertretende Kommissionsvorsitzende Anne Shepley (Grüne) in Schwerin. „Der Wille, sich einzubringen in einem Flächenland, teilweise stundenlang im Zug zu sitzen, um an einem Wochenende an einem Beteiligungsprozess teilzunehmen – das ist ja nichts Selbstverständliches.“ Die Liste der Ideen ist lang – was davon tatsächlich umgesetzt wird, hängt von der künftigen Landesregierung ab, die am 20. September gewählt wird.

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