Anlässlich des Internationalen Tags der Meeresschutzgebiete fanden am Samstag mehrere fachliche Bootstouren rund um die Vogelschutzinsel Walfisch statt. Seit 2021 wird der sogenannte MPA‑Day am heutigen Samstag begangen, um weltweit auf die Bedeutung geschützter Meereslebensräume aufmerksam zu machen.
Auch die Ranger der Wismarbucht, gestellt vom Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e. V., beteiligten sich mit insgesamt drei Ausfahrten auf dem Landungsboot „Limosa“. Dank des geringen Tiefgangs eignet sich das Boot besonders für Touren in der Kirchsee und rund um den Walfisch.
Während der rund zweistündigen Fahrten erläuterte Buchtranger Dirk Brenning Wissenswertes über die Seevögel der Region. Viele Arten brüten auf dem Walfisch oder nutzen die Insel als Rastplatz. Da die Insel ganzjährig unter Betretungsverbot steht und ehrenamtlich vom Verein Langenwerder zum Schutz der Wat- und Wasservögel e. V. betreut wird, bot die Tour seltene Einblicke aus nächster Nähe.
Bedeutung des EU-Vogelschutzgebiets
Das EU‑Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ ist nicht nur im Frühling und Sommer ein wichtiger Lebensraum für Schwäne, Eiderenten oder Silbermöwen. Auch im Herbst und Winter bieten Flachwasserbereiche, Seegraswiesen und Röhrichte tausenden Zugvögeln wie Graugänsen, Blässhühnern oder Eisenten wertvolle Rückzugsräume.
Die Buchtranger erfassen und dokumentieren die Vogelbestände über das gesamte Jahr hinweg. Zudem sprechen sie Wassersportler, Angler und Spaziergänger an, um über die ökologische Bedeutung der Gebiete zu informieren und naturverträgliches Verhalten zu fördern.
Dirk Brenning zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung: Seit der Übernahme der Gebietsbetreuung im Mai 2025 würden sich die meisten Nutzerinnen und Nutzer an die Vorgaben halten und einsichtig reagieren, wenn auf Fehlverhalten hingewiesen werde.
Große Nachfrage und begeisterte Teilnehmende
Die Nachfrage nach den kostenfreien Ausfahrten war in diesem Jahr deutlich höher als 2025. Viele Einheimische und Touristen hatten sich angemeldet, doch die 30 verfügbaren Plätze reichten nicht für alle Interessierten aus. Startpunkt war der Hafen Kirchdorf.
Unter den Teilnehmenden war auch Familie Jacob aus der Nähe von Buchholz in der Nordheide, die seit Jahren Urlaub auf Poel macht. Ihr Highlight war die Sichtung eines Seeadlers. Auch Marcus Pilvousek und Beate Hoßfeld aus dem Südharz zeigten sich beeindruckt, da sie die Insel Walfisch erstmals aus unmittelbarer Nähe erleben konnten.
Robben im Fokus
Neben den Seevögeln standen auch Robbenarten im Mittelpunkt. Die Kegelrobbe zeigt sich an der mecklenburgischen Ostseeküste seit einigen Jahren wieder häufiger. Bei der Mittagstour war Biologin Nicola Boll vom BUND MV an Bord, die im Rahmen des Naturschutzprojekts HOTSPOT28 über den richtigen Umgang mit Robben informierte.
Viele Menschen müssten erst wieder lernen, wie sie sich verhalten sollten, da die Tiere jahrzehntelang kaum in der Region vorkamen. Besonders Jungtiere, die gelegentlich an Stränden liegen, benötigen meist keine Hilfe, sondern Ruhe.
Betreuung der Schutzgebiete
Das EU‑Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ wird im Auftrag der Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg und Mittleres Mecklenburg betreut. In der Wismarbucht und rund um Poel übernimmt diese Aufgabe der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e. V. Für das Salzhaff und die Große Wiek ist der NABU Mittleres Mecklenburg e. V. zuständig. Weitere Informationen finden sich unter www.naturschutz‑wismarbucht.de.