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Leitungswasser in MV – weiterhin eines der besten weltweit?

Im September vergangenen Jahres mussten 60.000 Einwohner von Greifswald ihr Leitungswasser für einige Tage abkochen, nachdem Darmkeime entdeckt worden waren. In der Region Grimmen im Landkreis Vorpommern-Rügen traf es im selben Monat 7.900 Menschen. Im Februar 2026 erging eine Abkoch-Anordnung an rund 14.000 Einwohner mehrerer Gemeinden im Landkreis Vorpommern-Greifswald, darunter Ueckermünde und Eggesin.

Ist das Trinkwasser sicher?

Ja, sagen die Landkreise und kreisfreien Städte, deren Gesundheitsämter bei festgestellten Keimbelastungen die Abkoch-Anordnungen erlassen. Das Wasser werde engmaschig getestet und bereits bei geringen Belastungen werde gehandelt, heißt es.

Eine Sprecherin der Stadt Schwerin erklärt, dass es beim Abkochgebot um eine mikrobielle Belastung geht. „Solche Erreger sind nach Trinkwasserverordnung genau definiert: darmpathogene Erreger, wie Enterokokken oder E.coli, aber auch gegebenenfalls Auffälligkeiten in Bezug auf Keimzahlerhöhungen oder coliforme Keime.“

Werden Keimbelastungen häufiger?

Die Landkreise und kreisfreien Städte sehen keine Zunahme. „Der Eindruck täuscht“, heißt es etwa aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Auch in den vergangenen Jahren seien in seltenen Fällen Keimbelastungen im Trinkwasser festgestellt und Abkochgebote angeordnet worden.

Für den Landkreis Vorpommern-Greifswald berichtet Sprecher Florian Stahlkopf von jeweils einer Abkoch-Anordnung in den Jahren 2023 (Raum Lubmin), 2024 (Raum Gützkow), 2025 (Greifswald) und im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 (Raum Ueckermünde/Eggesin). In den Städten Rostock und Schwerin sowie im Landkreis Ludwigslust-Parchim gab es im vergangenen und im bisherigen Verlauf dieses Jahres keine Abkoch-Anordnungen, wie Sprecher berichten.

Unterschiede in den Regionen

Im Landkreis Rostock ergingen nach Angaben der Verwaltung vereinzelt Abkochgebote für einzelne Einrichtungen, Unternehmen, Interessengemeinschaften oder Privathaushalte. „Für größere Bevölkerungsgruppen in Dörfern, Städten oder Gemeinden musste nie ein temporäres Abkochgebot verhängt werden“, heißt es.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte waren in den letzten Jahren keine Abkoch-Anordnungen im Zusammenhang mit der zentralen Wasserversorgung erforderlich, wie ein Sprecher sagt. Der Landkreis Nordwestmecklenburg meldet gar, dass es in den letzten zehn Jahren keine Notwendigkeit gab, ein Abkochgebot auszusprechen.

Wie kommt es zu Verunreinigungen?

„Die Ursachen herauszufinden, gestaltet sich als äußerst schwer“, heißt es vom Landkreis Vorpommern-Greifswald. Das zeigt das jüngste Beispiel vom Februar, als rund 14.000 Einwohner der Orte Ueckermünde, Eggesin, Liepgarten, Hoppenwalde und Torgelow-Holländerei ihr Trinkwasser drei Tage lang abkochen mussten. Bei einer Kontrolle waren Enterokokken festgestellt worden.

Der Versorger überprüfte daraufhin nach eigenen Angaben akribisch alle Entnahmestellen, Leitungen und Einzugsgebiete und fand nichts. Nun soll es ein Treffen mit dem Gesundheitsamt, der Firma, welche die belasteten Proben genommen hat, und dem Labor, das sie untersucht hat, geben, um vielleicht so eine Spur zu finden.

Im Fall Greifswald war die Ursachensuche hingegen rasch erfolgreich. „Es wurde eine Beschädigung einer Rohwasserleitung – eine Zuleitung, die das gewonnene Rohwasser aus einem Tiefbrunnen zum Wasserwerk transportiert – festgestellt“, sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald, Thomas Prauße. Der beschädigte Rohrbereich sei sofort stillgelegt und repariert worden.

Was bringt UV-Bestrahlung?

Prauße will die Vorsorge für die Trinkwasserqualität weiter verbessern, wie er sagt. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir mit dem Gesundheitsamt im engen Austausch zum Thema UV-Desinfektion im Wasserwerk.“ Dies sei das einzige in Deutschland zugelassene physikalische Desinfektionsverfahren in der öffentlichen Wasseraufbereitung.

„Dem Trinkwasser werden dabei keine zusätzlichen Aufbereitungsstoffe zugegeben, sondern das Trinkwasser wird mit UV-Licht bestrahlt.“ Damit können nach Praußes Worten 99,9 Prozent aller Legionellen, Mikroben und Viren im Wasser abgetötet werden.

Droht Gefahr durch Geothermie?

Mit Blick auf klimaneutrales Heizen wird derzeit viel über Geothermie gesprochen, die Nutzung von warmem Wasser aus der Tiefe. In Greifswald sieht man Gefahren für das Trinkwasser, sollte salzhaltiges Tiefenwasser in Trinkwasserleiter eindringen. Vorpommern-Greifswalds Landrat Michael Sack (CDU), Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und Praktiker der Wasserwirtschaft haben ein Memorandum zum Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung vor der Nutzung von Erdwärme unterzeichnet, wie Prauße berichtet.

„Konkret fordern wir, dass es keine Geothermiebohrungen in den Trinkwasserschutzzonen I, II und III geben darf.“ Es gebe immer ein Restrisiko beim Bohren in solchen Zonen für einen Schadstoffeintrag ins Trinkwasser. „Sollte eine Trinkwasserfassung durch giftigen Sole-Eintrag kontaminiert werden, dann hilft auch kein Abkochen mehr“, verdeutlicht der Stadtwerke-Chef.

Laut dem Schweriner Umweltministerium existiert bereits ein grundsätzliches Verbot für Bohrungen in den Schutzzonen I und II. „Für die Schutzzonen III, IIIa und IIIb sind Ausnahmen möglich“, erläutert ein Sprecher. „Dies zeigen zum Beispiel die Geothermiebohrungen in Schwerin, welche sich in der Schutzzone III des Wasserschutzgebietes Schwerin befinden.“ Das Ministerium sieht laut dem Sprecher keine Veranlassung, die bestehende Regelung zu verschärfen.

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