Ein Instagram-Post von Stadtarchivar und Bürgermeisterkandidat Nils Jörn hat am Wochenende für deutliche Kritik gesorgt. In seiner Story veröffentlichte er ein Schwarz-Weiß-Foto aus der Kolonialzeit: Ein weißer Mann lässt sich von mehreren Afrikanern tragen. Darüber stand der Satz: „Die hohen Spritpreise zwingen mich wieder traditionell zu werden.“
Wismars Bürgermeister Thomas Beyer reagierte scharf. Der Post sei „absolut geschmacklos“ und spiele „auf rassistische Weise auf die Kolonialgeschichte an“. Beyer betonte zudem, Jörn sei nicht nur Kandidat, sondern auch Mitarbeiter der Hansestadt: „Das ist eines Mitarbeiters unwürdig. Ich erwarte, dass der Post umgehend gelöscht wird.“
Jörn verteidigt sich – und spricht von Satire
Jörn selbst weist den Vorwurf des Rassismus zurück. Das Bild sei satirisch gemeint gewesen: „Natürlich lasse ich mich nicht von schwarzen Sklaven durch Wismar tragen. Natürlich bin ich kein Rassist. Und ja, ich liebe Ironie und Satire.“ Der Vorfall kommt für Jörn zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Wahlkampf läuft, die öffentliche Aufmerksamkeit ist hoch – und die Sensibilität für koloniale Bildsprache ebenso. Dass ein Bürgermeisterkandidat ein historisch belastetes Motiv mit einem Spritpreis‑Witz kombiniert, wirkt für viele wie ein gravierender Fehlgriff.