Das Bundeskabinett hat die umstrittene Reform der Fahrschulausbildung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder beschlossen. Ziel der Neuregelungen ist es, die Ausbildung digitaler und effizienter zu gestalten und damit die zuletzt stark gestiegenen Kosten für Fahrschüler zu senken. Nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens sollen die Änderungen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Weniger Pflichtfahrten und kürzere Prüfungen
Kernpunkte der Reform sind deutliche Reduzierungen im Pflichtprogramm. Die Zahl der gesetzlich vorgeschriebenen Sonderfahrten – Nacht‑, Autobahn‑ und Überlandfahrten – soll von bisher zwölf auf drei sinken. Auch der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung der Klasse B wird um rund 30 Prozent verkleinert. Künftig müssen Fahrschüler etwa 840 statt bisher 1.169 Fragen lernen. Zudem wird das Bewertungssystem vereinfacht. Die praktische Prüfung wird ebenfalls verkürzt: Die reine Fahrzeit sinkt auf das EU‑Minimum von 25 Minuten, die Gesamtdauer auf 40 Minuten.
Modellversuch mit privaten Begleitpersonen
Ein weiterer Baustein ist ein Modellversuch, der Jugendlichen nach bestandener Theorieprüfung und sechs Praxisstunden erlaubt, mit Angehörigen oder Freunden Fahrpraxis zu sammeln. Die Begleitperson muss seit mindestens sieben Jahren im Besitz eines Führerscheins sein, das Fahrzeug entsprechend gekennzeichnet werden.
Theorieunterricht online, mehr Simulation im Training
Die Präsenzpflicht für den Theorieunterricht entfällt. Fahrschulen können künftig frei entscheiden, ob sie Unterricht vor Ort, hybrid oder vollständig digital anbieten. Fahrstunden dürfen teilweise am Simulator absolviert werden. Auch bei der B197‑Regelung sinkt die Zahl der Pflichtstunden mit Schaltwagen von zehn auf sieben, die weitgehend simuliert werden können.
Mehr Transparenz durch zentrale Datenbank
Um Preisstrukturen und Erfolgsquoten vergleichbarer zu machen, sollen Fahrschulen künftig ihre Tarife und die Bestehensquoten der praktischen Prüfungen an eine zentrale Datenbank melden. Diese Informationen sollen über Vergleichsportale öffentlich einsehbar sein.
Fahrlehrerverbände warnen vor Sicherheitsrisiken
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände äußert deutliche Kritik. Sie warnt, dass gerade die Sonderfahrten in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich zur Senkung der Unfallzahlen junger Fahrer beigetragen hätten. Die Ausbildung durch Laien wird strikt abgelehnt, da private Begleitpersonen häufig veraltete oder falsche Verhaltensweisen weitergeben könnten.
Zudem befürchten die Verbände, dass die Veröffentlichung von Durchfallquoten zu einer Benachteiligung lernschwächerer Fahrschüler führen könnte. Auch die erhoffte Kostenersparnis wird infrage gestellt, da kleinere Fahrschulen die Anschaffung teurer Simulatoren kaum stemmen könnten.