Zum Jahreswechsel müssen zahlreiche gesetzlich Versicherte in Deutschland und Mecklenburg‑Vorpommern tiefer in die Tasche greifen. Rund die Hälfte aller gesetzlichen Krankenkassen hat ihre Zusatzbeiträge erhöht, um die stetig steigenden Ausgaben im Gesundheitssystem abzufedern. Für viele Beschäftigte bedeutet das spürbar weniger Netto vom Brutto – ein Kassenwechsel kann sich daher lohnen.
Große Kassen erhöhen deutlich
Auch in Mecklenburg‑Vorpommern steigen die Beiträge teils kräftig. Die Techniker Krankenkasse hebt ihren Zusatzbeitrag von 2,45 auf 2,69 Prozent an. Die DAK erhöht sogar von 2,8 auf 3,2 Prozent. Die AOK Nordost bleibt zwar bei 3,5 Prozent, liegt damit aber ohnehin über dem Niveau vieler anderer Kassen. Die Barmer verharrt bei 3,29 Prozent und bleibt ebenfalls im oberen Bereich.
Warum die Beiträge steigen
Für Gesundheitsökonomen kommt die Entwicklung nicht überraschend. Die Ausgaben der Krankenkassen wachsen seit Jahren schneller als die Einkommen der Versicherten. „Das ist eine langfristige Tendenz“, sagt Jürgen Wasem von der Universität Duisburg‑Essen. Um die Kosten zu decken, müsse ein immer größerer Teil des Einkommens für die Krankenversicherung aufgewendet werden.
In den vergangenen zwei Jahren konnten viele Kassen Beitragserhöhungen noch abfedern, indem sie ihre Rücklagen anzapften – teils sogar unter die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve. Nun zwingt der Gesetzgeber sie, diese Reserven wieder aufzufüllen.
Strukturelle Probleme im System
Zu den größten Kostentreibern zählen nach Einschätzung von Experten die Krankenhäuser. Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über viele, aber eher kleine Kliniken – ein teures System. Hinzu kommen Reibungsverluste zwischen Haus- und Fachärzten, die ebenfalls zusätzliche Kosten verursachen.
Weitere Erhöhungen wahrscheinlich
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark die Beiträge langfristig gestiegen sind: 1970 lag der Beitragssatz noch bei acht Prozent, zur Wiedervereinigung bei zwölf Prozent, heute bei rund 17 Prozent. Und die Alterung der Gesellschaft beginnt erst, ihre volle Wirkung zu entfalten. Fachleute rechnen daher mit weiteren Anhebungen.
Kassenwechsel kann sich lohnen
Für Versicherte mit stark gestiegenen Beiträgen kann ein Wechsel bares Geld sparen. Bei einem Bruttoeinkommen von 4.000 Euro bedeuten die aktuellen Erhöhungen rund 14 Euro Mehrbelastung pro Monat. Ein Wechsel ist noch bis Ende Januar möglich.