Der wochenlang vor der Insel Poel festsitzende Buckelwal Timmy ist auf dem Weg in die Nordsee. In der Nacht zum Mittwoch hat der Schleppverband die Wismarbucht verlassen und befindet sich inzwischen südöstlich von Fehmarn. Nach Angaben des Schiffs‑Ortungsdienstes VesselFinder lag der Verband am frühen Morgen rund sechs Seemeilen – etwa elf Kilometer – vor der Insel.
Langsame Fahrt Richtung dänische Gewässer
Der Transport bewege sich mit „sehr langsamer Geschwindigkeit“ in Richtung Fehmarn, bestätigte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei. Die Route führt den Verband weiter nach Norden, vorbei an Lolland und Falster, anschließend entlang der dänischen Küste bis zur Nordspitze Jütlands. Dort, in Skagen, ist nach Angaben der privaten Rettungsinitiative ein Zwischenstopp nach rund drei Tagen Fahrt geplant.
Von Skagen aus soll Timmy weiter durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und in der Nähe einer Buckelwal‑Gruppe freigelassen werden.
Schlepper „Robin Hood“ übernahm Timmy am Abend
Am Dienstagabend hatte der Schlepper „Robin Hood“ die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee übernommen. Der Lastkahn ist mit Meerwasser gefüllt und dient dem Wal als Transportbecken. Nach der Übernahme fuhr der Verband durch die Wismarbucht hinaus auf die offene Ostsee.
Begleitet wird die Barge vom Forschungsschiff „Fortuna B“, auf dem Tierärztinnen und Wal‑Expertinnen die Reise überwachen. Am Mittwochmorgen lagen beide Schiffe eng beieinander – ein Hinweis darauf, dass die erste Visite an Bord der Barge stattfindet.
Ein historischer Moment nach 30 Tagen in der Bucht
Mit dem Beginn der Schleppfahrt endet eine außergewöhnliche Rettungsaktion. Am Dienstag war es den Helfern gelungen, Timmy in einem letzten Kraftakt von der Sandbank zu befreien. Der Wal schwamm die rund 110 Meter von seiner Mulde bis zur Barge aus eigener Kraft – ein Moment, den viele Beteiligte als emotionalen Höhepunkt beschrieben.
Am Mittwochmorgen zeigte sich die Bucht von Poel erstmals seit vier Wochen leer. Die Sonne ging über einem Ort auf, der zum Symbol einer beispiellosen Rettungsmission geworden ist.
Weiterer Verlauf offen
Wie Timmy die mehrtägige Fahrt verkraftet, wird sich in den kommenden Stunden und Tagen zeigen. Die Experten an Bord der „Fortuna B“ überwachen Atmung, Verhalten und Stresssignale des Tieres. Erst in der Nordsee wird sich entscheiden, ob der Wal wieder vollständig in Freiheit entlassen werden kann.