Der mehrfach an den Ostseeküsten gestrandete Buckelwal hat seine Freisetzung in der Nordsee nur wenige Tage überlebt. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus war das Tier bereits am vierten oder fünften Tag nach dem Aussetzen tot.
Darauf weisen die ausgewerteten Daten des Senders hin, den der Wal zuletzt getragen hatte. Die Bewegungen zeigen zudem, dass das Tier unmittelbar nach der Freisetzung wieder Kurs auf die Ostsee nahm.
Experten sehen Ursache im schlechten Gesundheitszustand
Nach Einschätzung der Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Walschutzorganisation WDC wäre das Buckelwal-Weibchen selbst bei einem etwas längeren Überleben sehr wahrscheinlich erneut gestrandet. Ursache sei weniger ein Orientierungsproblem als vielmehr der stark geschwächte Gesundheitszustand.
Das Tier habe vermutlich bewusst flachere und vermeintlich sichere Gewässer angesteuert. Da die Strömung im Kattegat und in der Ostsee üblicherweise schwach ist, gehen die vom Sender erfassten Bewegungen bis zum 6. Mai nach Einschätzung der Expertin ausschließlich auf aktives Schwimmen zurück. Ab diesem Zeitpunkt habe der Wal offenbar keine Kraft mehr gehabt.
Transport blieb trotz Kritik umstritten
Mehrere Fachleute verschiedener Institute und Organisationen hatten von Beginn an von einem Transport abgeraten und stattdessen empfohlen, das Tier in Ruhe sterben zu lassen. Backhaus verteidigte den Rettungsversuch dennoch erneut als rechtlich und fachlich vertretbar.
Bis zu seinem Tod legte der Wal nach Angaben des Ministers rund 215 Kilometer zurück. Der Sender zeichnete bis zum 7. Mai weitere Daten wie Wassertiefe, Temperatur und Bewegungsmuster auf, die nun wissenschaftlich ausgewertet werden sollen.
Keine Hinweise auf Fehler bei Transport oder Freisetzung
Der Sender der Firma Wildlife Computers war an der Rückenfinne des geschwächten und beim Transport verletzten Tieres befestigt worden. Backhaus betonte, es gebe nach aktuellem Kenntnisstand keine belastbaren Hinweise darauf, dass Transport oder Freisetzung unmittelbar zum Tod beigetragen hätten. In seinem Verantwortungsbereich bis zur Landesgrenze seien keine Verletzungen festgestellt worden.
Chronologie eines gescheiterten Rettungsversuchs
Der Buckelwal war am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Am 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, schwamm wieder ab und strandete mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel. Am 28. April begann eine private Initiative mit dem Transport Richtung Nordsee. Etwa 70 Kilometer vor Skagen wurde der Wal am 2. Mai im Skagerrak freigesetzt.
Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde der oft Timmy genannte Buckelwal tot an der dänischen Insel Anholt angespült. Der stark verweste Kadaver wurde obduziert, zunächst ohne eindeutige Ergebnisse zur Todesursache. Die Überreste sollen in Dänemark unter anderem zu Biodiesel verarbeitet werden.