Für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal Timmy beginnt heute eine entscheidende Phase. Mecklenburg‑Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus bezeichnete den Dienstag als „Tag der Entscheidung“. Am Morgen trafen sich Einsatzkräfte, Fachleute und Vertreter der Behörden zu einer Lagebesprechung direkt am Einsatzort. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das veränderte Rettungskonzept – das Arbeiten mit breiten Gurten, um den Wal in einen absenkbaren Lastkahn zu leiten – tatsächlich umgesetzt werden kann.
Backhaus betonte, dass die Methode nur dann zum Einsatz komme, wenn sie dem Tier helfe und zugleich möglichst schonend sei. „Wenn es hilft, diesem Tier aus dieser Situation zu helfen und das gering invasiv ist, dann prüfen wir das“, sagte der Minister. Für den weiteren Verlauf des Tages wünschte er sich vor allem eines: Ruhe, Konzentration und ein wenig Glück. „Für mich wäre es eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens“, so Backhaus.
Lastkahn aus der Elbe – Transportroute steht fest
Der spezielle Lastkahn, der für die Bergung benötigt wird, wurde eigens aus der Elbe über den Nord‑Ostsee‑Kanal nach Mecklenburg‑Vorpommern gebracht. Die Konstruktion kann abgesenkt werden, sodass Timmy später über Gurte und Führungsstrukturen in die Barge gelangen soll.
Nach Angaben der privaten Initiative, die die Rettung maßgeblich organisiert, soll der Wal nach erfolgreicher Verladung per Schleppverband in Richtung Skagen transportiert werden – zum Eingang der Nordsee. Für die Überfahrt sind rund dreieinhalb Tage eingeplant.
Rettung unter Zeitdruck
Die Entscheidung über das endgültige Vorgehen soll im Laufe des Tages fallen. Die Lage bleibt angespannt: Der Wal liegt seit fast vier Wochen in der Kirchsee fest, sein Zustand schwankt, und die Einsatzkräfte arbeiten seit Tagen am Limit. Gleichzeitig gilt das neue Konzept als möglicherweise letzte realistische Chance, Timmy aus der flachen Bucht herauszubringen.
Ob die Bergung gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab – vom Verhalten des Tieres, vom Wasserstand, vom Wetter und von der technischen Umsetzung. Für die Helferinnen und Helfer beginnt damit ein Tag, der über den weiteren Verlauf der Mission entscheiden wird.