Mittwoch, 29.April 2026
14.9 C
Wismar

anzeige

informationen unserer partner

... schon entdeckt?

Das könnte dich auch interessieren

inside

news aus deinem programm

audio.news+

die themen aus der redaktion

Jubel und Zweifel: Wie geht es weiter mit dem Poeler Buckelwal?

Nach Wochen im Flachwasser ist der Poeler Buckelwal in einer stählernen Transportbarke auf dem Weg Richtung Nordsee. Der Moment des Verladens sorgte für Erleichterung und emotionale Szenen. Doch Fachleute warnen: Der schwierigste Teil der Rettungsaktion steht erst bevor. Ein Überblick über die Lage.

Zwischen Erfolgsmeldung und offener Zukunft

Als der Wal am Dienstag in die Barge getrieben wurde, feierten Helferinnen und Helfer den Erfolg. Auch Mecklenburg‑Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sprach von einem gelungenen Versuch. Doch das Verladen war lediglich ein Zwischenschritt. Der Wal muss nun einen tagelangen Transport um die Nordspitze Dänemarks überstehen – und anschließend in der Nordsee langfristig überleben.

Mehrere Expertinnen und Experten bezweifeln, dass der geschwächte Buckelwal dazu in der Lage ist. Nach rund zwei Monaten in Küsten- und Flachwasserbereichen sei unklar, ob er noch normal schwimmen und tauchen könne. Zudem wurden Netzreste im Maul gefunden, die seine Nahrungsaufnahme beeinträchtigen könnten.

Was Fachleute über die Überlebenschancen sagen

Das Deutsche Meeresmuseum verweist auf internationale Fälle, in denen Bartenwale mit Netzresten in den Barten die Nahrungsaufnahme vollständig verweigerten. Auch die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betont, dass erst von einer Rettung gesprochen werden könne, wenn der Wal im Nordatlantik wieder Nahrung findet, an Gewicht zunimmt und sich normal verhält.

Nach Einschätzung von WDC und der Internationalen Walfangkommission (IWC) sind die langfristigen Überlebenschancen gering. Der Wal habe bereits vor der Strandung ausschließlich flache Küstengewässer aufgesucht – ein Hinweis auf Erschöpfung.

Unklarer Freisetzungsort in der Nordsee

Die private Initiative plant, den Wal in der Nordsee freizulassen. Wo genau, ist bislang offen. Fachleute sehen darin ein erhebliches Risiko. Ein geschwächter Wal könne sich im offenen Meer nicht ablegen und drohe zu ertrinken. Zudem sei die Nordsee geprägt von Lärm, Schiffsverkehr und Fischerei – Belastungen, die auch gesunde Tiere herausfordern.

WDC kritisiert, dass bislang kein klares Konzept zur Wiedereingliederung bekannt sei. Ohne detaillierte Planung wirke die Freisetzung wie das Aussetzen eines schwerkranken Patienten „vor die Tür“.

Gesundheitszustand bleibt kritisch

Backhaus erklärte, der Wal fühle sich „pudelwohl“ in der Barge. Fachleute widersprechen. Der Gesundheitszustand sei „grundsätzlich nicht gut“, sagt Meeresbiologe Fabian Ritter. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang umhergeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. Das Verhalten sei insgesamt passiv und weiche deutlich vom Aktivitätsmuster gesunder Buckelwale ab.

Hinzu komme der Stress des Transports. Der Lärm im Fehmarnbelt könne für das Tier extrem belastend sein. WDC warnt zudem vor Fangmyopathie – einem stressbedingten Muskelabbau, der bei Wildtieren unter Transportbedingungen auftreten kann.

Wird das Schicksal des Wals nachvollziehbar bleiben?

Der Wal wurde zunächst mit einem Sender ausgestattet, der unter Wasser nicht funktioniert. Die Initiative kündigte an, einen neuen GPS‑Sender anzubringen. Die Daten sollen jedoch nur intern an die Initiative und das Umweltministerium gehen, um Menschen davon abzuhalten, dem Wal zu folgen.

Fachleute halten eine transparente Dokumentation für unverzichtbar. Das Meeresmuseum und die IWC empfehlen öffentlich zugängliche Trackerdaten und Videomaterial, um die Maßnahme bewerten und für künftige Rettungen lernen zu können.

Langfristig ließe sich ein Erfolg nur daran messen, ob der Wal in den kommenden Jahren in seinen Nahrungs- oder Paarungsgebieten gesichtet und eindeutig identifiziert wird.

lass' uns dir doch helfen

Mit einem Stichwort oder auch nur einem Namen findest du, wonach du suchst

Unser gesamtes Archiv mit tausenden Artikeln, Beiträgen und zahlreichen Informationen steht dir bei der Suche zur Verfügung. Dabei stehen dir alle Bereiche wie z.B. Politik, Sport, Wirtschaft oder Rostock, Schwerin, Wismar zur Verfügung.